Judenburg, 15.01.2026: Mit der Inbetriebnahme des neuen 90 Tonnen schweren Transformators im Umspannwerk Judenburg setzt die Stadtwerke Judenburg AG einen weiteren zentralen Meilenstein für die sichere und zukunftsfähige Stromversorgung der Region. Die Anlage stärkt die Netzstabilität und schafft die technischen Voraussetzungen für den weiter wachsenden Anteil dezentraler erneuerbarer Erzeugung.
Energiewende verlangt neue Netzlogik
Vorstandsvorsitzender Manfred Wehr unterstrich eingangs die strategische Bedeutung des Projekts: „Wir stehen mitten in der Energiewende, und die dezentrale Erzeugung ist das Credo der letzten Jahre. Rund 1.600 Erzeuger speisen heute ins Netz ein – etwa 1.550 davon sind Photovoltaikanlagen. Früher funktionierte das Stromnetz nach dem One-Way-Prinzip, das hat sich grundlegend geändert.“
Durch den neuen Umspanner kann überschüssige Energie, die lokal nicht verbraucht wird, zuverlässig an die vorgelagerten Netze abgegeben werden. Damit wird der bidirektionale Energiefluss, der für moderne Verteilnetze essenziell ist, technisch abgebildet und beherrschbar gemacht.
Technische Rahmenbedingungen und Herausforderungen
Ursprünglich war die zeitgleiche Erneuerung der 110-kV-Zuleitung vorgesehen. Dieses Vorhaben musste jedoch vorerst aus technischen Gründen zurückgestellt werden, weil das bestehende Gestänge (die Strommasten) zuerst für das Gewicht der notwendigen Leitungen neu ausgelegt werden müssen. Ungeachtet dessen wird der Netzausbau konsequent weiterverfolgt. Die Stadtwerke Judenburg AG investiert parallel in neue Erzeugungs- und Speicherlösungen: Neben dem Bau des neuen Stadtkraftwerks Judenburg ist für 2026 eine 2-MW-Photovoltaikanlage im Industriegebiet Nord in Judenburg geplant. Zukünftige Groß-PV-Anlagen werden grundsätzlich mit Speichern ausgestattet werden, um Netzspitzen zu glätten und die Flexibilität zu erhöhen.
Stark steigender Strombedarf erfordert massive Investitionen
Energieversorgungs-Betriebsleiter Helmut Haubmann gab einen Ausblick auf die Netz- und Energiebedarfsentwicklung der kommenden Jahrzehnte. Der steirische Strombedarf wird sich demnach bis 2040 nahezu verdoppeln und rund 20 Terawattstunden pro Jahr erreichen.
Die Haupttreiber dieser Entwicklung sind:
- die Ausweitung der E-Mobilität,
- die zunehmende Elektrifizierung von Industrie und Gewerbe,
- die Umstellung von Maschinen und Prozessen von fossilen Energieträgern auf elektrische Energie.
Der Stromverbrauch privater Haushalte spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.
Erneuerbare ausbauen – Netze stabil halten
Österreichweit sollen die erneuerbaren Energieformen Wind, Sonne und Wasser bis 2030 auf 27 Terawattstunden ausgebaut werden. Diese ambitionierten Ziele stellen die Netzinfrastruktur vor große Herausforderungen. Bereits heute müssen Erzeugungsanlagen zeitweise weggeschaltet werden, weil das Netz Erzeugungsspitzen nicht aufnehmen kann.
Neben dem konsequenten Netzausbau gewinnen daher Großspeicher zunehmend an Bedeutung, um Lastspitzen auszugleichen und das Netz im Gleichgewicht zu halten.
Investitionen in Versorgungssicherheit
Bei der Stadtwerke Judenburg AG unterstreicht man das langfristige Bekenntnis zur Versorgungssicherheit mit umfangreichen Investitionen:
- 2,6 Millionen Euro flossen in das Umspannwerk Judenburg West
- zwischen 2021 und 2025 wurden insgesamt etwa13,8 Millionen Euro in das Stromnetz investiert.
Jahrhundertprojekt Stadtkraftwerk Judenburg: Baufortschritt im Plan
Im Rahmen der Veranstaltung informierte der Projektleiter Markus Sacherer auch über den aktuellen Stand des Jahrhundertprojekts Stadtkraftwerk Judenburg. Die Abbrucharbeiten der Kraftwerke Werk I, Sensenwerk und Murdorf wurden 2025 erfolgreich abgeschlossen. Derzeit laufen:
- Unterwassereintiefungen und Ufersicherungen im Abschnitt Murdorf–Zirkusplatz,
- die Aushub- und Sicherungsarbeiten für die Baugrube.
Ab Mitte Februar starten planmäßig die Betonierarbeiten für das neue Krafthaus sowie die Wehranlage.